Mortis – Auf dem Sprung in die Ungewissheit

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Kontakt
Label: Georg Rackow – georg(at)showdown.de
Presse: Jan Pasutti – jan(at)sureshot.de

Fotos von
Max Winter

Unendlich viele Möglichkeiten und Träume auf der einen Seite, doch jegliche fehlende Sicherheiten auf der anderen: Mortis ist ein Kind seiner Zeit, ein Zwanziger-irgendwas, der sein Leben als Goldenen Käfig betrachtet. Er lebt in einer Großstadt, sieht Erfolg und Versagen, Geld und Drogen, Idealisten und Verzweifelte an jeder Straßenecke. Die einzige Konstante ist der Exzess. Nur dort gelangt man noch an seine Grenzen. Diese Welt macht Mortis nachdenklich, spornt ihn aber auch an. Er lebt in dieser Welt und betrachtet sie gleichzeitig von außen. Mortis raucht gerne, lebt hemmungslos, jedoch vergisst er dabei nicht, diese Lebensweise zu hinterfragen. Und er vergisst nicht, wo er herkam.

Aufgewachsen ist er im Südharz, an der Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland. In der heimatlichen Provinz gab es bei weit verbreiteter gesellschaftlicher Ignoranz zwischen Atzen und Alkis, Spielautomaten in der Kneipe und Nazis im Nachbarort nichts mehr zu entdecken. Mainstream-R&B in der Dorfdisco und Goldbrand-geschwängerten Abenden im familiären Freundeskreis stand das Austesten von Grenzen gegenüber, die Jams in Ostdeutschland, Graffiti auf Zügen, das Übernachten auf Bahnhöfen, das Freestylen, kurzum: die Flucht in eine andere Welt.

Mit 18 zog er zunächst nach Hannover und anschließend als Musiker durchs Land. In Hannover angekommen dockte er bei den Jungs von IllViBE Recordings an, cypherte Donnerstags mit MB1000, half bei der Labelarbeit und ging mit auf Tour. Es war die Zeit der ersten Auftritte und auch der ersten eigenen Produktionen. Aus Eierpappen entstand eine „Telefonzelle“, darin stand das erste SM58 und die Bass-Drum-Machine eines Freundes. Er probierte viel aus, feierte den ersten Beat freestylend über die Bassrolle eines Freundes an einem nahegelegenen Baggersee.

Während im erweiterten Umfeld der Ami-Rap-Film mit Dipset-lastigem Sound und Karl Kani-Logo Sweatern gefahren wurde, lieh er sich lieber Klamotten oder kaufte sie in alten ausrangierten Kleinstadt-Sportgeschäften. Die mangelnde Inspiration des jugendlichen Provinzlebens führte dazu, dass Mortis sich sowohl mit den Afrikanern im Asylantenheim als auch mit den türkischen Mitschülern schnell anfreundete.

Um neue Menschen kennen zu lernen, war ihm kein Weg zu weit und er saugte neue Einflüsse auf wie ein Schwamm. „Knowledge ist das Wichtigste, Bescheid zu wissen, über das was man tut, mit wem man Dinge tut und wer man selber ist“, erklärt er.

Diese Einstellung zieht sich auch durch seine Tätigkeit als Produzent. Mortis kommt vom klassischen „Diggin in the Crates“. Samplen von Soul- und Prog-Rock-Platten, ganz egal was, Hauptsache Musik mit Seele. Erst einmal rauskriegen, wie das mit den Beats funktioniert, und sich dann auch hemmungslos ausprobieren. Mortis hat schon immer mit allen Musikgenres geliebäugelt und zusammengearbeitet. Von einer zehnköpfigen Soul-Band mit Streicher und Bläsersätzen, bis zu Punkrock oder Schlager-Techno-Rap. Bisher kannte man Mortis vor allem als Rapper auf Boom Bap-Beats. Was auch dem Umstand geschuldet war, dass es damit schneller ging, einfach Songs rauszuhauen.

Doch nun ist es an der Zeit, den Schritt zu machen vom nerdigen Beatbastler zum detailverliebten Produzenten. Mortis Anspruch ist es, Kompliziertes einfach erscheinen zu lassen. Das fängt bei der Musik an und geht bei den Texten weiter. Das Zwischenmenschliche ist in seinen Fokus gerückt, das Zusammenleben der Menschen auf engstem Raum in einer überreizten Welt und in einer kalten Gesellschaft. Aus einfachen Gedankengängen und Grundbedürfnissen, aus verschlüsselten Informationen und skurrilen Geschichten zieht Mortis seine Inspiration.

Vielleicht ist es gerade dieser bewusste Umgang mit Menschen, das Ernstnehmen und Hinterfragen, das dafür verantwortlich ist, dass er heute so ausdrucksstarke Bilder in seiner Musik zeichnet, die man leicht nachempfinden kann. So kann es auch nicht verwundern, dass asoziales Verhalten untereinander, Rücksichtslosigkeit und Verständnislosigkeit für andere Lebensweisen und Entwicklungen, Menschen ohne Prinzipien und solche, die anderen keine Gefühle lassen, ihm sauer aufstoßen.

Musik ist für Mortis dabei wie ein Tagebuch. Mit jedem Song verbindet sich ein bestimmtes Erlebnis und er kann sich selbst Jahre später noch in die jeweilige Stimmung zurückversetzen, die zur Zeit der Entstehung geherrscht hat. Emotionen – darum geht es in Mortis´ Musik, der inzwischen in seiner Wahlheimat Berlin lebt. In der Ruhelosigkeit dieses Schmelztiegels findet er die Inspirationen, die er für seine Texte benötigt.

Mortis selbst mag keine Schemen in den Lyrics, sondern legt viel mehr Wert auf die Intonierung – so wie Jazz-Musiker: immer drin, aber trotzdem auch off. Penibel sucht er nach den richtigen Worten auf dem Beat, vermeidet musikalische Schlenker bis alles da sitzt, wo es hingehört und der finale Track exakt jene Emotion wiedergibt, die er haben soll.

Mortis´ am 17.01.2014 erscheinende EP „Der Goldene Käfig“ skizziert das Lebensgefühl zwischen stetem Vorwärtsdrängen und falschen Voraussetzungen, einer Generation auf dem Sprung in die Ungewissheit. Mortis paart Hau-Drauf-Mentalität mit Verletzlichkeit, Angebertum mit Empathie, ähnlich wie der von James Dean verkörperte Filmheld Jim Stark in „Denn sie wissen nicht was sie tun“. Die EP dient als Opener zum 2014 erscheinenden Album auf Showdown Records.